Konsequenz und ich – das sind mitunter zwei Paar Schuhe. Eigentlich wollte ich mir Ghostbusters (2016) nach dem Trailer echt nicht ansehen, aber wie das so ist: Irgendwann tut man es doch. Bewaffnet mit jeder Menge Smirnoff habe ich mich auf das Abenteuer also eingelassen – der Sony-Spin, dass man den Film nunmal sehen muss, um die Diskussion darüber nachvollziehen zu können, ging also voll auf.

Zunächst muss ich sagen: Der Film war weniger schlecht, als ich beim Betrachten des Trailers befürchtet hatte. Nein, er ist wahrlich kein guter Film, bestenfalls okay, aber er hat seine Momente. Nicht für den Film spricht, dass diese Momente meist die mit den Cameo-Auftritten von beispielsweise Dan Aykroyd, Annie Potts oder Sigourney Weaver sind. Im Grunde sind alle dabei, von Harold Ramis aus offensichtlichen Gründen mal abgesehen. Ob Bill Murray so lustlos spielt, weil er keinen Bock auf den Auftritt hatte oder weil seine Rolle so angelegt war, kann ich nur spekulieren, ich mag aber die Vorstellung, dass da ein widerwilliger Bill Murray sitzt.

Die leidige Feminismus-Diskussion

Paul Feig ist bekennender Feminist. Ich habe versucht, diese Tatsache beim Schauen des Filmes auszublenden, aber so ganz funktioniert es nicht. Dazu ist der Film zu sehr mit dieser Ideologie aufgebaut und gemacht worden. Männer sind in der Welt von Paul Feig Idioten – ironischerweise auch alle Frauen, abseits der Geisterjägerinnen. Man könnte das als Umdrehung von Filmklischees deuten, allerdings trifft es hier den Falschen: Man zeige mir in Ghostbusters (1984) bitte nur EINEN Charakter, der ansatzweise dermaßen klischeebeladen wie der von Chris Hemsworth gespielte Kevin war! Venkman war ein Chauvi, aber glaubwürdig – und Glaubwürdigkeit spreche ich gut 99% des neuen Casts ab. Einzig Leslie Jones war noch recht bodenständig; umso deutlicher wird, dass sie die herbe Kritik einzig wegen ihrer Hautfarbe abbekommen hat. Aber ein Charakter wie Holtzman? In der realen Welt? Never! Um nochmal den Kevin/Janine-Vergleich zu bemühen: Janine wurde im Original primär wegen ihrer Qualifikationen eingestellt, sie verstand ihren Job, war nicht vertrottelt und eine sehr selbstbewusste Person. Kevin ist das genaue Gegenteil. Will man ihn also ins Feld führen als „Da seht ihr an einem Mann, wie Frauen dargestellt wurden/werden im Film„-Exempel, dann geht es völlig am Ziel vorbei. Immerhin scheint Chris Hemsworth Spaß an der Rolle gehabt zu haben; einmal nicht Thor sein zu müssen, sondern richtig albern sein zu können. Es sei ihm gegönnt.

Sony wird gewusst haben, dass sie da keinen guten Film vor sich haben, und die Reaktionen auf den Trailer deuteten schon ein Desaster an der Kinokasse an. Ich bin überzeugt, dass man da diesen Feminismus-Spin gestartet hat: Wer den Film kritisiert, kritisiert ihn, weil er Frauen hasst. So einfach ist es aber nicht. Die Leute, auch ich, hassen den Trailer, weil er zu einem Film ist, der ein bekanntes und beliebtes Franchise kapert und nicht ansatzweise dessen Kern zu verstehen scheint. Und nein, Ghostbusters (2016) hat den Kern von Ghostbusters (1984) kein Stück verstanden. Es ist nicht Ghostbusters für eine neue Generation (das waren die Extreme Ghostbusters, die zudem noch inklusiver waren und wesentlich sympatischer!), es ist eher eine Fanfiction mit offizieller Lizenz. Quasi das 50 Shades of Grey unter den Action-Comedys.

Mal abseits des Gender-Wahnsinns

All das habe ich beim Schauen ausgeblendet, so weit es mir möglich war. Und dann bleibt eben ein ganz okayer Film, der seine besten Momente primär aus den Cameo-Auftritten und Verweisen auf das Original zieht, ab und an aber auch aus der Spielfreude von Chris Hemsworth. Der Rest plätschert lustlos unmotiviert vor sich hin; anfangs sehr träge, später dann im Schnelldurchlauf alles nötige abgehandelt. Was mir gefallen hat: Die neuen Geisterjäger sind deutlich agiler unterwegs, wie im einzigen großen Gefecht klar wird. Dass Geister nun mit den Strahlern geschleudert werden, passt gut in das modernere Tempo. Damals 1984 war das technisch so kaum drin – man schaue sich nur mal das Making-of an, wo die Macher auch mal über die arme Frau sprechen, die die Strahler von Hand in die Szenen gezeichnet hat! Eine solche Dynamik wie in Ghostbusters (2016) wäre unter diesen Umständen kaum möglich gewesen.

Dennoch: Ich mag die Charaktere nicht, keiner der Gags zündet wirklich so recht und wenn die größte Stärke – für einen Fan des Originals – die Cameo-Auftritte und Verweise auf Ghostbusters (1984) sind, dann zeigt es, dass dieser Film ohne diesen ganzen Gender-Spin und der Ghostbusters-Lizenz komplett untergegangen wäre. Auch ich hätte ohne das kaum einen Grund gesehen, mir das anzusehen. Nun habe ich es getan. Ich lebe noch, meine Kindheits-Erinnerungen an die Original-Geisterjäger wurden nicht davon zerstört. Aber viel mehr positives kann ich dem Film nicht abgewinnen.

Um da mal aus dem Nachfolger von 1989, Ghostbusters II, zu zitieren:

We’re the best. We’re the beautiful. We’re the only Ghostbusters.

– Dr. Peter Venkman