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Youtuber sind keine Synchronsprecher!

Immer häufiger werden bekannte Youtuber bei der Synchronisation von Videospielen oder auch Filmen als Sprecher gecastet. Das zieht natürlich gut im Marketing, wenn man da jemanden präsentieren kann, der bei der Zielgruppe bekannt ist und gut ankommt. Dummerweise werden diese oft eher wegen ihrer Bekanntheit (also ihres Namens) aufgestellt und nicht, weil sie gute Synchronsprecher wären oder weil sie etwa dem Charakter mehr Persönlichkeit verleihen würden.

Ich war heute in The LEGO Batman Movie – sehr guter Film mit viel Witz. Allerdings verstehe ich beim besten Willen nicht, wieso man angesichts all der Profi-Synchronsprecher bei der deutschen Stimme des Jokers (im Original gesprochen von Zach Galifianakis, bekannt etwa aus Hangover) unbedingt den Youtuber Gronkh besetzen musste. Ja, der kommt bei der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen sicher gut an, aber ich fand seine Darbietung als Joker dermaßen langweilig und uninspiriert, dass ich wirklich froh war, wenn er nicht zu hören war. Warum Gronkh? Gibt es nicht genug Synchronsprecher, die es hätten besser machen können? War Michael Iwannek nicht frei, der sonst dem Joker im LEGO-Universum die Stimme leiht und die deutsche Synchronstimme von Galifianakis ist? Warum dann nicht auf Leute zurückgreifen wie Simon Jäger, der dem Joker schon in Nolans The Dark Knight die Stimme lieh oder Videospielern etwa als Vaas aus Far Cry 3 bekannt sein dürfte? Aber Gronkh? Ernsthaft?!

Es zeigt sich, dass Youtuber nicht unbedingt auch gute Sychronsprecher sind. Dazu gehört mehr als nur etwas einzusprechen. Betonung, Stimmlage, das Schauspiel mit der Stimme… all das lässt Gronkh (schmerzlich) vermissen. Und sticht damit gerade im Kontrast zu der ansonsten erstklassigen Sprecher-Riege negativ hervor. Fazit: Sehr guter Film, den ich sicher auf Blu-ray holen werde und nie wieder auf Deutsch schaue. So wie ich auch Just Cause 3 nie im Leben auf Deutsch spielen wollen würde. Da war es übrigens auch Gronkh, der absolut deplatziert wirkte…

NACHTRAG:
Übrigens wurde in The LEGO Batman Movie auch Dick Grayson aka Robin von einem Amateur gesprochen, von dem Comedian Luke Mockridge. Der störte mich persönlich aber weit weniger als Gronkh in der Rolle des Jokers, was wohl daran liegt, dass Grayson als recht nerviger Charakter angelegt zu sein scheint. Das gelingt – ob gewollt oder nicht werde ich erst beurteilen können, wenn ich den Film als Blu-ray besitze und im Original gehört habe…


Mut bewiesen und Ghostbusters (2016) gesehen

Konsequenz und ich – das sind mitunter zwei Paar Schuhe. Eigentlich wollte ich mir Ghostbusters (2016) nach dem Trailer echt nicht ansehen, aber wie das so ist: Irgendwann tut man es doch. Bewaffnet mit jeder Menge Smirnoff habe ich mich auf das Abenteuer also eingelassen – der Sony-Spin, dass man den Film nunmal sehen muss, um die Diskussion darüber nachvollziehen zu können, ging also voll auf.

Zunächst muss ich sagen: Der Film war weniger schlecht, als ich beim Betrachten des Trailers befürchtet hatte. Nein, er ist wahrlich kein guter Film, bestenfalls okay, aber er hat seine Momente. Nicht für den Film spricht, dass diese Momente meist die mit den Cameo-Auftritten von beispielsweise Dan Aykroyd, Annie Potts oder Sigourney Weaver sind. Im Grunde sind alle dabei, von Harold Ramis aus offensichtlichen Gründen mal abgesehen. Ob Bill Murray so lustlos spielt, weil er keinen Bock auf den Auftritt hatte oder weil seine Rolle so angelegt war, kann ich nur spekulieren, ich mag aber die Vorstellung, dass da ein widerwilliger Bill Murray sitzt.

Die leidige Feminismus-Diskussion

Paul Feig ist bekennender Feminist. Ich habe versucht, diese Tatsache beim Schauen des Filmes auszublenden, aber so ganz funktioniert es nicht. Dazu ist der Film zu sehr mit dieser Ideologie aufgebaut und gemacht worden. Männer sind in der Welt von Paul Feig Idioten – ironischerweise auch alle Frauen, abseits der Geisterjägerinnen. Man könnte das als Umdrehung von Filmklischees deuten, allerdings trifft es hier den Falschen: Man zeige mir in Ghostbusters (1984) bitte nur EINEN Charakter, der ansatzweise dermaßen klischeebeladen wie der von Chris Hemsworth gespielte Kevin war! Venkman war ein Chauvi, aber glaubwürdig – und Glaubwürdigkeit spreche ich gut 99% des neuen Casts ab. Einzig Leslie Jones war noch recht bodenständig; umso deutlicher wird, dass sie die herbe Kritik einzig wegen ihrer Hautfarbe abbekommen hat. Aber ein Charakter wie Holtzman? In der realen Welt? Never! Um nochmal den Kevin/Janine-Vergleich zu bemühen: Janine wurde im Original primär wegen ihrer Qualifikationen eingestellt, sie verstand ihren Job, war nicht vertrottelt und eine sehr selbstbewusste Person. Kevin ist das genaue Gegenteil. Will man ihn also ins Feld führen als „Da seht ihr an einem Mann, wie Frauen dargestellt wurden/werden im Film„-Exempel, dann geht es völlig am Ziel vorbei. Immerhin scheint Chris Hemsworth Spaß an der Rolle gehabt zu haben; einmal nicht Thor sein zu müssen, sondern richtig albern sein zu können. Es sei ihm gegönnt.

Sony wird gewusst haben, dass sie da keinen guten Film vor sich haben, und die Reaktionen auf den Trailer deuteten schon ein Desaster an der Kinokasse an. Ich bin überzeugt, dass man da diesen Feminismus-Spin gestartet hat: Wer den Film kritisiert, kritisiert ihn, weil er Frauen hasst. So einfach ist es aber nicht. Die Leute, auch ich, hassen den Trailer, weil er zu einem Film ist, der ein bekanntes und beliebtes Franchise kapert und nicht ansatzweise dessen Kern zu verstehen scheint. Und nein, Ghostbusters (2016) hat den Kern von Ghostbusters (1984) kein Stück verstanden. Es ist nicht Ghostbusters für eine neue Generation (das waren die Extreme Ghostbusters, die zudem noch inklusiver waren und wesentlich sympatischer!), es ist eher eine Fanfiction mit offizieller Lizenz. Quasi das 50 Shades of Grey unter den Action-Comedys.

Mal abseits des Gender-Wahnsinns

All das habe ich beim Schauen ausgeblendet, so weit es mir möglich war. Und dann bleibt eben ein ganz okayer Film, der seine besten Momente primär aus den Cameo-Auftritten und Verweisen auf das Original zieht, ab und an aber auch aus der Spielfreude von Chris Hemsworth. Der Rest plätschert lustlos unmotiviert vor sich hin; anfangs sehr träge, später dann im Schnelldurchlauf alles nötige abgehandelt. Was mir gefallen hat: Die neuen Geisterjäger sind deutlich agiler unterwegs, wie im einzigen großen Gefecht klar wird. Dass Geister nun mit den Strahlern geschleudert werden, passt gut in das modernere Tempo. Damals 1984 war das technisch so kaum drin – man schaue sich nur mal das Making-of an, wo die Macher auch mal über die arme Frau sprechen, die die Strahler von Hand in die Szenen gezeichnet hat! Eine solche Dynamik wie in Ghostbusters (2016) wäre unter diesen Umständen kaum möglich gewesen.

Dennoch: Ich mag die Charaktere nicht, keiner der Gags zündet wirklich so recht und wenn die größte Stärke – für einen Fan des Originals – die Cameo-Auftritte und Verweise auf Ghostbusters (1984) sind, dann zeigt es, dass dieser Film ohne diesen ganzen Gender-Spin und der Ghostbusters-Lizenz komplett untergegangen wäre. Auch ich hätte ohne das kaum einen Grund gesehen, mir das anzusehen. Nun habe ich es getan. Ich lebe noch, meine Kindheits-Erinnerungen an die Original-Geisterjäger wurden nicht davon zerstört. Aber viel mehr positives kann ich dem Film nicht abgewinnen.

Um da mal aus dem Nachfolger von 1989, Ghostbusters II, zu zitieren:

We’re the best. We’re the beautiful. We’re the only Ghostbusters.

– Dr. Peter Venkman

Ghostbusters (2016) wirkt zum Davonlaufen!

Vorab möchte ich anmerken, dass ich schon vor dem Trailer zum Ghostbusters-Reboot wenig angetan davon war. Das lag nicht daran, dass ich nicht gerne einen Nachfolger sehen würde und auch nicht am All-Female-Cast – aber an der Besetzung und den Machern, denen ich kaum zutraue, den Witz von Ghostbusters umzusetzen geschweige denn zu verstehen.

Doch schauen wir uns erstmal den Trailer an:

Ich liebe Ghostbusters! Die Geisterjäger waren ein Teil meiner Kindheit, wie für viele andere Menschen meiner Generation. Ich hab die Filme gesehen, ich hatte das Spielzeug (und auch welches selbstgebaut), ich habe die Zeichentrick-Serie The Real Ghostbusters geschaut und vor einigen Jahren halt auch Ghostbusters: The Video Game gespielt. Die beiden Originalfilme laufen bei mir heute noch mindestens einmal pro Monat, der erste Teil häufiger als das Sequel, aber sie nutzen sich einfach nicht ab. Halt ein Klassiker.

Und dann dieser Trailer. Skeptisch war ich schon im Vorfeld – ich finde es befremdlich, einen Cast zusammenstellen, der von vornherein, bevor irgendwas anderes entschieden ist, derart auf das Geschlecht festgelegt wird. Die Story sollte entscheiden, was für Charaktere es gibt! Extreme Ghostbusters hat gezeigt, dass auch weibliche Geisterjäger funktionieren und ich könnte mir auch einen All-Female-Cast vorstellen, aber doch bitte nicht derart am Reißbrett zusammengestellt. Man entscheide: Alles Frauen, schaue dann, was so im Comedy-Bereich rumläuft und BANG. Fertig ist die Katastrophe der Cast.

Der Trailer hat dann meine größte Sorge bestätigt: Der Humor ist einfach nicht meins. Ich hatte zwar tatsächlich schlimmeres erwartet, gerade von Melissa McCarthy, trotzdem ist das gezeigte Material weit davon entfernt, die Liebenswürdigkeit der originalen Geisterjäger einzufangen. Es fängt mit der überdrehten Abgehobenheit an: Ernsthaft, müssen die Knarren abgeleckt werden, nur um zu zeigen, wie Bad Ass man ist? Diese aufgezwungene Comedy („Is it the hat or the wig?„). Alles Dinge, die Ghostbusters nie nötig hatte. Der Humor war subtiler – man denke an die Szene, wenn Egon das Sedgewick-Hotel nach Geistern abscannt und dabei den Angestellten leicht zur Seite stubst. Ray, Egon und Peter im Aufzug beim Einschalten der Protonen-Packs (achtet mal drauf, wie Peter und Egon zur Seite weichen). DAS ist Ghostbusters!

Paul Feig erklärt Ghostbusters

Laut Paul Feig wird es für alles in Ghostbusters (2016) einen Ursprung geben. Angefangen beim Logo über die Gadgets bis hin zu Ecto-1. Das werte ich durchaus positiv – die alten Filme haben darauf nie viel Zeit verwendet. Vielleicht war aber auch genau das die Stärke: Feig selbst führt an, dass die Tüftlerin im Team – weiss gerade nicht mehr, wer von denen das war – öfter mit neuen Gadgets um die Ecke kommen wird, die mal funktionieren und auch mal nach hinten losgehen. Das wiederum muss einen skeptisch stimmen, werden die Fehlschläge doch unter Garantie für allerlei ach-so-lustige Comedy sorgen. Auch so etwas, was Ghostbusters nie nötig hatte. Die Sachen wurden entwickelt und funktionierten – hätte Egon jemals ein Gerät mit in den Feldeinsatz genommen, das nicht getestet ist und funktioniert (vom ersten Mal abgesehen – aber es wurde nicht für einen billigen Slapstick-Gag ausgenutzt)? Wohl eher nicht.

Ghostbusters (2016) richtet sich eindeutig an ein jüngeres Publikum. Und vielleicht können die diesem Humor und dieser überzogenen Pseudo-Bad-Ass-Attitüde tatsächlich irgendwas abgewinnen, ich kann es nicht. Da lege ich lieber nochmal die Blu-rays der beiden Originale ein oder spiele das Videospiel.