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Amazon-Rezensionen unter der Lupe

Kaum einer hat es mitbekommen, aber Amazon hat neulich seine Regeln geändert bezüglich Kunden-Rezensionen. Bislang konnten Händler an Kunden Produkte verbilligt oder gleich kostenlos überlassen mit der „Bitte“ um eine Rezension. Offiziell ist diese Rezension nicht verpflichtend, die Verbindung zum Hersteller muss angegeben werden und auch der Inhalt ist – ebenfalls offiziell – nicht vorgegeben. Rein theoretisch dürfte so ein Rezensent also auch Kritik äußern. Vergleiche mit unabhängigen Rezensionen und dem generellen Schnitt zeigen jedoch: Kunden, die ein Produkt mit Bitte um eine Rezension vergünstigt oder kostenlos erhalten haben, schreiben häufiger Rezensionen und sind dabei oft überwiegend positiv. Zufall ist das sicherlich nicht.

Ich selbst bin über das Problem jetzt mehrmals gestolpert, weil ich bei Produkten zwecks Vergleich immer mal wieder die Rezensionen heranziehe. Und die Zahl der Produkte, die Hinweise auf Verbindung zum Hersteller enthalten (etwa die Formulierung „Dieses Produkt wurde mir im Rahmen eines Produkttestes vergünstigt zur Verfügung gestellt, was jedoch nicht meine Bewertungen beeinflusst.„) ist dabei gefühlt sehr hoch. So hoch, dass ich schon länger dazu übergegangen bin, nur noch die negativeren Rezensionen zu lesen. Hier erfährt man meist eher und ehrlicher von Problemen, die „gekauften“ Rezensionen findet man meist bei den 5-Sterne-Rezensionen.

Ein krasser Fall ist mir neulich untergekommen, als ich nach einem KVM Switch gesucht habe und dabei bei dem Produkt MP power @ 2 Port KVM USB Switch Box Switch-Adapter mit 2 Kabel – zwei Computer mit 1 Monitor / Maus / Tastatur / Drucker verbinden gelandet bin. Aktuell 11 Rezensionen und vier Sterne als Schnitt. Schaut man dann bei den 5-Sterne-Bewertungen (sieben Stück an der Zahl), so stellt man schnell fest, dass davon fünf Stück auf vergünstigten Erhalt mit Bitte um Rezension zurückzuführen sind. 5/7. Schaut man sich die Rezensionen dann noch genauer an, fällt noch etwas auf: Zwei der Rezensionen sind komplett identisch.
Amazon Copycat-Rezension
Also einer dieser 100% objektiven und kein bisschen beeinflussten „Kunden“ war wohl etwas faul, kann das sein? Und schaut man sich die Rezensionen dieser Leute dann an, merkt man schnell: Die bekommen öfter Produkte verbilligt und schlechter als vier Sterne ist da – zumindest auf den ersten Blick – nichts von bewertet worden.

Amazon hat diese Praxis nun untersagt und ein eigenes Programm aufgelegt, bei dem Kunden von Amazon selbst Produkte vergünstigt oder kostenlos erhalten. Diese sind also nicht an den Hersteller gebunden. Ob das die Leute objektiver macht, bleibt offen – denn natürlich ist auch Amazon daran gelegen, dass die Rezensionen eher positiver aussehen, um mehr Absatz zu erzielen. Aber warten wir mal ab…


Das Ende der Adblocker?

Ich hatte es zunächst nur am Rande wahrgenommen: BILD.de bzw der Axel-Springer-Verlag hatte begonnen, Nutzer von Adblockern von ihrer Webseite auszusperren. „Gut„, sagte ich mir, „das tangiert mich mal ziemlich peripher“ – immerhin lese ich BILD nicht. Nun haben aber auch andere Verlagshäuser einen Blick auf das neue Modell von BILD geworfen und schauen natürlich genau, wie sich das alles entwickelt, um dann mit eigenen Implementierungen an den Start zu gehen. So weit, so nachvollziehbar.

Viele Nachrichtenportale könnten sich also in Zukunft eines dreiteiligen Misch-Modells bedienen: Finanzierung durch Werbung, Abo für Werbefreiheit und Blockierung von Adblock-Nutzern. Das ist zunächst vollkommen legitim. Was mich dabei stört ist dieses Festhalten an dem Finanzierungsmodell Werbung. Natürlich müssen die Seiten Geld verdienen, Werbeeinblendungen haben sich in der jüngeren Vergangenheit aber oftmals als problematisch erwiesen: Immer wieder gab es Fälle, in denen über die Ad-Server auch Schadcode ausgeliefert wurde – auch auf großen Seiten, das betrifft also nicht nur Nutzer „zwielichtiger“ Seiten. Zudem schlucken diese Anzeigen natürlich Bandbreite und bremsen den Aufbau der Seite. Nicht vergessen werden sollte, dass manche Seiten ihre Inhalte mit Popups, selbststartenden Videos und Werbeanzeigen regelrecht zuschütten und man erstmal zig Anzeigen wegklicken muss (und dabei aufpassen muss, den kleinen „Schließen“-Knopf auch ja präzise zu erwischen, sonst öffnet sich eine andere Seite), bevor man mit dem Lesen der eigentlichen Seite beginnen kann.

Gerne können die Verlagshäuser auf das oben genannte Modell zurückgreifen – dann sollten sie aber auch sicherstellen, dass a) ihre Anzeigen nicht zu störend sind, b) für die Schadcode-Freiheit garantieren können, und c) diese Anzeigen nicht allzu ressourcenfressend ausfallen. Wenn das sichergestellt ist, wird sich auch kaum jemand beschweren, wenn Werbung eingebunden ist. So, wie es aktuell ist, wirkt es, als mache man die Seiten mit störender, aufdringlicher Werbung bewusst unattraktiv, um Abos zu verkaufen. Das ist ziemlich unsauber.

[ UPDATE ]
Gerade aktuell meldet Heise Online mal wieder einen Fall von Malvertising – also dem Versand von Malware über Werbe-Anzeigen. Betroffen soll ein ganzer Vermarkter sein, die Anzeigen unter anderem bei ebay.de, t-online.de und anderen Seiten eingeblendet worden sein. Wie man das verhindern kann? Indem man selbst den Ad-Server betreibt und genau schaut, was darüber läuft. Oder, auf Anwenderebene, eben die Installation eines Adblockers… und damit bestimmte Seiten nicht mehr besuchen zu können.