Zunächst: Ich bin ein großer Freund vom Konzept hinter Patreon. Immer wieder sage ich: Wenn ihr mit euren Inhalten Geld verdienen wollt, macht es bitte nicht mit Werbung. Und dann ist Patreon die beste Alternative. Überzeugt hatte mich davon so richtig Hooked – deren Ankündigungsvideo führte dazu, dass ich schon während es noch lief einen Account bei Patreon gemacht habe, um sie zu unterstützen. Die letzten Tage hatte ich immer mal wieder überlegt, auch 5$ pro Monat an Insert Moin zu spenden – und dann kam die 2.000ste Folge ihres Podcasts. Ab Zeitstempel 00:21:20 sprechen Manu, Micha und Daniel dort von Änderungen, die sie an ihrem Patreon-Modell vornehmen werden. Ich hatte Manu per Direktnachricht bei Twitter schonmal meine Gründe genannt, warum mich das davon abhält, sie zu unterstützen – aber ich will das hier auch nochmal in vollständiger Form öffentlich preisgeben.

Zunächst mal: Die drei brauchen lange, um auf die Änderungen zu sprechen zu kommen. „Hot-Potato-Game“ trifft es da tatsächlich ganz gut – niemand will das böse Thema so recht anschneiden. Das ist kein guter Start in die Bitte nach Unterstützung. Was mich daran aber am meisten störte: Es ist ein Bejammern der eigenen Situation. Homisite – den ich noch vom GamePro-Forum her kenne – nannte es „teils fatalistisch“ klingend und das war auch mein Eindruck. Verdammt Jungs, ihr macht guten Content und verdient die Unterstützung! Aber das spiegeln die Stretch-Goals auch irgendwie nicht wieder: Ab 3.500$ soll ein neues Format möglich sein, obwohl alle drei offen sagen, neben ihrem Hauptberuf immer weniger Zeit für das Projekt Insert Moin zu finden und am Rande zum Burnout zu stehen? Wie soll das funktionieren?! Tom und Robin von Hooked haben in ihrem Video klar gesagt: Mehr, als wir derzeit machen, ist nicht drin – es muss also etwas davon hinter die Paywall. Das ist ehrlich und vermisse ich bei den Überlegungen von Insert Moin.

Dann mangelt es mir an Klarheit über die Zukunft. Was, wenn nicht die 5.000$ zusammenkommen, die nötig sind, damit Manu das hauptberuflich machen und schonmal Micha beruflich kürzer treten kann? Wie steht es dann mit dem Engagement? Auch hier waren Hooked wieder präziser: Es wird so oder so weitergehen, nur kann bei unvorhergesehenen Kosten durchaus die weitere Existenz gefährdet sein. Das ist verstädnlich, nachvollziehbar – zumal bei den beiden Hooked nunmal bereits der Hauptberuf IST. An der Stelle wundert mich noch, wieso die Zukunft von Hooked – also zwei Selbstständigen! – mit 5.000$ gesichert ist, Insert Moin bei 5.000$ aber gerade mal einen von drei Leuten hauptberuflich an der Geschichte sitzen hat, während zwei Drittel des Teams weiter am Burnout-Rand taumeln? Wäre es nicht sinnvoller, wenn mit dem Geld jeder etwa einen Tag pro Woche oder so im Hauptberuf kürzer treten könnte? Und wenn mehr Geld rein kommt sind es zwei Tage für jeden, etc? Aber das ist nur so ein Gedankenspiel, generell ist mir egal, wie das Geld intern verwendet wird, solange es die Zukunft an sich sichert.

Die sehe ich bei Insert Moin noch aus einem anderen Grund gefährdet: Der Plan ist, ALLES hinter die Paywall zu packen, Sonntags soll es einen kostenlosen Podcast geben, der sich aber wohl primär an die „Nichtzahler“ richten soll. Quasi also die Werbung für den Inhalt hinter der Paywall. Generell: Es braucht Inhalt VOR der Paywall, um neue Leute zu gewinnen. Aber wirklich Inhalt und nicht Werbung für das, was hinter der Paywall wartet. Es gibt immerhin einen Schnupper-Pledge für 2$, mit dem man die erste Woche des Monats hören kann, aber auch das ist erstmal eine Hürde. Gedankenspiel: Ich habe keinen Patreon-Account, stoße dann auf diesen Sonntags-Podcast… werde ich mir daraufhin einen Account bei Patreon machen und all das, ohne den Podcast besser zu kennen? Auch hier ist Hooked wieder das positive Gegenbeispiel: Die haben nur einen sehr kleinen Teil hinter die Paywall gepackt. Es steht also noch genug „außerhalb“ dieser Hürde, was für Hooked wirbt und neue, hoffentlich zahlende, Leute anspricht. Auch hier noch kurz am Rande angeführt, dass Hooked meinetwegen auch alles vor der Paywall stehen haben könnte, die 5$ von mir wären ihnen dennoch sicher… aber alles HINTER die Paywall packen? Hart.

Das wirklich Schlimmste finde ich aber das Timing. Muss man das echt in der 2.000sten Folge machen? Sowas sollte ein leichter Rückblick sein auf das Erreichte, den Weg hierher. Und nicht Fatalismus über die Zukunft. Schulterklopfer, Anekdoten, Meilensteine… das hättet ihr bringen sollen!

Ich fürchte, ihr werdet mit diesem neuen Konzept scheitern – wünschen würde ich es euch nicht. Ich mag Insert Moin und es gehört einiges dazu, einen täglichen(!) Podcast auf die Beine zu stellen. Dafür habt ihr meinen vollsten Respekt! Und genau das ist es, wofür ich euch unterstützen wollte – und nicht das Selbst-Bejammern, den Fatalismus und die unklaren Zukunftsaussichten. Mag hart klingen, ich kenne keinen von euch drei persönlich und kann nicht beurteilen, wie bei euch die Situation und die Stimmung wirklich ist im Team. Aber so, wie es hier für mich rüberkam, ist das Ende eingeläutet worden. Das ist nicht die Stimmung, mit der man aus einer Jubiläumsfolge entlassen werden sollte. Ich hatte gehofft, dass mir diese Folge und die angekündigten Änderungen den Anstoß geben, jetzt endlich die paar Klicks zu machen, um auch euch zu unterstützen – stattdessen haben sie mir diesen Schritt ferner werden lassen, sorry.